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Modisch und öko

Korrekte Klamotten: Faire Bio-Mode

Bio-Lebensmittel stehen in jedem Supermarkt. Und auch Bio-Mode ist längst aus der Gesundheitslatschenecke herausgewachsen. Öko ist Mode!

Baumwollpflanzen. Bild: Gargonia/Fotolia
Bild: Gargonia/Fotolia

Selbst große Modeläden und Kaufhausketten locken mit Bio-Cotton. Immer mehr Käuferinnen und Käufer wissen, dass sie mit "korrekten Klamotten" die Welt retten können – zumindest ein kleines bisschen. Denn wie das Umweltinstitut München sagt, bewahrt man "mit dem Kauf eines einzigen Baumwoll-T-Shirts aus biologischer Baumwolle rund sieben Quadratmeter Anbaufläche vor Pestiziden und Kunstdünger."


Der Wasserverbrauch beim Anbau herkömmlicher Baumwolle ist enorm: Er schluckt so viel Wasser wie alle Privathaushalte der Erde zusammen verbrauchen. Wahnsinn, oder? Und: Ein Viertel der Insektizide (Schädlingsvernichtungsmittel), die weltweit eingesetzt werden, landen auf Baumwollfeldern. Zudem sind rund 64 Prozent der angebauten Baumwolle gentechnisch verändert. Bisher liegt der Anteil der Biobaumwolle bei der Produktion bei rund einem Prozent – das ist sehr wenig, gerade weil die Nachfrage immer mehr steigt.


Vorsicht "Rebound-Effekt": Wenn Bio-Klamotten euch motivieren mehr zu shoppen, ist der Erde auch nicht geholfen. Selbst nachhaltigere Mode verbraucht begrenzte Ressourcen wie Ackerland und Wasser.


Was bedeutet Bio-Baumwolle?

Die Baumwollpflanze wird ökologisch angebaut, z.B. nach dem internationalen IFOAM-Standard. IFOAM steht für International Federation of Organic Agriculture Movements. Künstliche Düngemittel werden streng begrenzt und Schädlinge natürlich bekämpft. Das ökologische Gleichgewicht des Standortes der Pflanzen soll stabilisiert werden – was den Anbau insgesamt aufwändig und arbeitsintensiv macht. Die Bauern ernten ohne Entlaubungsmittel. Gen-Technik ist nicht erlaubt. Das Ansinnen der Mode-Multis, neben dem eigenen Verdienst und Imagegewinn natürlich: Je mehr Leute Klamotten aus Bio-Baumwolle kaufen, desto mehr Bauern können auf den umwelt- und menschenfreundlichen Anbau umsatteln. Die europäische Öko-Verordnung gilt übrigens nur für Lebens- und Futtermittel, nicht für Textilien. Daher gibt es auf Bioklamotten kein EU-Bio-Siegel.


Verirrt im Label-Labyrinth

Ob "Green-Fashion" oder "natürliche Mode": Solche Bezeichnungen sagen gar nichts aus darüber, wie umwelt- und sozialverträglich ein Kleidungsstück ist. Was zählt, sind verlässliche Labels. An Kleidungsstücken könnt ihr zig Label finden. Einige Label garantieren Fasern aus biologischem Anbau oder Sozialstandards für Näherinnen bei der Arbeit. Andere besagen, dass das fertige Kleidungsstück frei von Schadstoffen ist. Besonders umfassende Labels regeln den Einsatz von Chemikalien im gesamten Produktionsablauf. Manche Siegel haben Hersteller selbst geschaffen, andere werden von Verbänden oder unabhängigen Prüfstellen verliehen. Das macht es alles ein wenig undurchsichtig.


Label Global Organic Textile Standard

Sehr hohe Anforderungen stellt ein Label, das der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft mitentwickelt hat: GOTS (Global Organic Textile Standard). Klamotten, die dieses Siegel tragen dürfen, müssen zu mindestens 70 Prozent aus Naturfasern aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft oder Tierhaltung (kbA oder kbT) bestehen. Auch stellt das Label hohe Anforderungen an Umweltschutz und Arbeitsbedingungen – während der gesamten Produktionskette. Und das Gute: Es gibt richtig hippe Sachen mit GOTS-Zertifizierung, weit ab vom Kratzepulli-Image.


Textillabel Bluesign

Bei Funktionskleidung im Sport- und Outdoorsegment, die aus Kunstfasern bestehen, gibt es ebenfalls ein empfehlenswertes Label: Bluesign. Es schließt die meisten umwelt- und gesundheitsgefährdende Substanzen von Anfang an aus dem Fertigungsprozess aus. Leider ist umweltbelastende Fluorchemie bei Bluesign nicht ganz verboten.


Bio ist nicht gleich Fair Trade

Vorsicht Verwechslungsgefahr: Bio bedeutet nicht automatisch fair gehandelt. Und fair gehandelt, heißt nicht zwingend Bio. Das FairTradeCertified Cotton-Siegel, das Baumwollklamotten, die aus Fairtrade zertifizierter Baumwolle produziert sind, zertifziert, fördert Bauern, die auf biologischen Landbau umstellen möchte, und zahlt einen Bioaufschlag. Bioanbau ist aber nicht Pflicht. Gentechnisch veränderte Baumwolle ist ausgeschlossen. Der Fairtrade-Textilstandard setzt sich auch bei der Weiterverarbeitung dafür ein, in jedem Schritt der Lieferkette die Arbeitsbedingungen und Löhne zu verbessern.


Grüner Knopf

Logo Grüner Knopf

Beim "Grünen Knopf" handelt es sich um ein staatliches Textilsiegel, das 26 soziale und ökologische Produktkriterien und 20 Unternehmenskriterien umfasst. Neben einer Unternehmensprüfung werden zunächst nur die beiden Produktionsschritte Nähen und Zuschneiden sowie Färben und Bleichen berücksichtigt. Es bleibt abzuwarten, ob die Anforderungen und Kontrollen ausreichen, um Menschenrechtsverletzungen und ökologische Belastungen auszuschließen. Der Grüne Knopf kann als "Übersiegel" auch in Kombination mit bestimmten bereits bestehenden Siegeln auftreten. Bisher fehlen in den Kriterien noch Maßnahmen, die bei Nicht-Einhaltung der Anforderungen ergriffen werden.


Und was ist mit Öko-Tex?

Hand zeigt Schild an Kleidungsstück

Das Öko-Tex-Siegel mit der stilisierten Blume findet sich an vielen Kleidungsstücken und anderen Textilien wie Handtüchern oder Bettwäsche. Es steht unter dem Motto "Textiles Vertrauen". Es gibt verschiedene Standards – der gängigste ist der Öko-Tex-Standard 100. Für viele Schadstoffe gibt es bei OEKOTEX-Standard 100 Grenzwerte. Die Anforderungen gehen etwas über das hinaus, was gesetzlich vorgeschrieben ist. Trotz des "Öko" im Namen werden keine Anforderungen an den Anbau von Pflanzenfasern gestellt. Auch Kleidung aus konventioneller Gen-Baumwolle wird ausgezeichnet. Über Produktionsbedingungen, Umweltschutz oder Verwendung von Gentechnik sagt das Siegel somit nichts aus.


Das neue "Oeko-Tex Made in Green"-Siegel verlangt nicht nur die Prüfung nach dem Öko-Tex-Standard 100, sondern auch eine umweltfreundliche Produktion und die Einhaltung von Sozialstandards im gesamten Fertigungsprozess. Per QR-Code oder Produkt-ID kannst du herausfinden, in welchen Fabriken das T-Short oder die Bettwäsche hergestellt wurden. Aber Achtung: Mit Bio hat Öko-Tex trotz des ökologisch klingenden Namens nichts zu tun. Auch Sachen aus hundert Prozent Genbaumwolle können nach bestandener Prüfung ein Öko-Tex-Zeichen tragen. Die Rohstoffe müssen auch nicht aus biologischem Anbau stammen.



Ein Tipp – egal, um welche Kleidung es sich handelt: Es schadet nie, Klamotten vor dem ersten Tragen in die Waschmaschine zu stecken. Am umweltfreundlichsten ist übrigens Second-Hand-Kleidung, denn für die werden weder Chemikalien noch Rohstoffe verbraucht. Schadstoffarm ist sie noch dazu: Sie wurde schließlich schon oft gewaschen.




(AB/C4U)

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