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Legehennen

Happy Hühnerleben: Freiheit für Fanny

Dies ist die Geschichte einer gewöhnlichen Legehenne. Moment – ganz gewöhnlich wohl nicht, denn ihr Leben nahm in letzter Minute noch eine glückliche Wendung.

Kopf einer Legehenne frontal nah fotografiert. (Bild: Katja Goebel)
Bild: Katja Goebel

Das Wichtigste in Kürze

  • Unsere Autorin erzählt die Geschichte von Fanny, einer Legehenne.
  • Das Tier wurde als so genanntes Hybridhuhn gezüchtet, um 300 Eier im Jahr zu legen.
  • Normalerweise folgt nach 16 Monaten ein Ende als Hundefutter. Aber nicht fur Fanny ...

Fanny

Gestatten, Fanny. Hybridhuhn. Gezüchtet, um mindestens 300 Eier im Jahr zu legen. Eigentlich wäre die zweijährige Henne längst Hundefutter. Aufgewachsen in einem ganz normalen Legehennenbetrieb mit 1.600 anderen Hühnern, wurde sie vor dem Schlachter gerettet. Jetzt lebt sie bei der Reporterin. (Bild: Katja Goebel)

Bodenhaltung

Untergebracht war Fanny bis dahin in Bodenhaltung. Das klingt irgendwie nett – jedenfalls nicht nach Käfig oder Legebatterie. Eher nach einem großen Stall voll Licht und Stroh, ohne Gitterstäbe, in dem die Hühner herumlaufen, picken und scharren und in Ruhe ihre Eier legen können. Die Realität sieht allerdings so aus. (Bild: Rettet das Huhn e.V.)

Bodenhaltung

Ganz gewöhnliche Bodenhaltung in Deutschland: Übereinandergestapelte Boxen, Gitter, kein Tageslicht, verschmutze Gänge. Auf einem Quadratmeter leben neun Hühner. Da bleibt fürs einzelne Huhn so viel Platz wie auf einem Din-A-4-Blatt. Das bedeutet Stress auf engstem Raum, denn für die intelligenten Tiere gibt es weder Beschäftigung noch Ruhe. (Bild: Rettet das Huhn e.V.)

Rettung

Nach rund 16 Monaten wäre für diese Legehennen das Leben eigentlich vorbei. Warum? Weil die Tiere in dem Alter nicht mehr jeden Tag ein Ei legen. Über 50 Millionen Legehennen werden jährlich allein in Deutschland getötet. Für manche von ihnen gibt es allerdings eine zweite Chance. Der Verein "Rettet das Huhn" holt ausgediente Hennen mit Erlaubnis der Betreiber aus den Ställen und vermittelt sie in ein artgerechtes Zuhause. (Bild: Rettet das Huhn e.V.)

Transport

Für über 70.000 Legehennen hat der Verein "Rettet das Huhn" schon in ein neues Zuhause gefunden. Dafür sind ehrenamtliche Helfer unermüdlich im Einsatz. Und immer wieder finden sich Privatleute, die eines oder mehrere Hühner adoptieren. (Bild: Rettet das Huhn e.V.)

Ankunft

Fahrt ins Glück: Auch Fanny landete mit zwei weiteren Hennen – Rosa und Frida – in einem neuen Zuhause. Der Verein bringt die Hühner zu Sammelabholstellen und die neuen Besitzer holen sie dort mit eigenen Transportboxen ab – nur gegen eine freiwillige Spende für den Verein. Vorher schauen sich die Vereinshelfer aber genau an, wohin die Hennen kommen. Artgerechte Haltung ist Pflicht. (Bild: Katja Goebel)

Tag 1

Zerrupft, blass und erschöpft kamen die drei Hennen an. Der neue Stall mit großem Außengehege war ihnen unheimlich. Kein Wunder: Sie hatten noch nie Tageslicht gesehen oder Wind und Sonne im Gefieder gespürt. Einen ganzen Tag lang hockten sie still im Fensterrahmen ihrer neuen Behausung und trauten sich weder nach drinnen, noch nach draußen. (Bild: Katja Goebel)

Alle drei draußen

Kann man das essen? Wenige Zeit später der erste Spaziergang. Zum ersten Mal frische Erde unter den Krallen. Hühner sind extrem neugierig. Sie möchten den ganzen Tag die Welt um sie herum erkunden, scharren und mit ihren Schnäbeln Dinge untersuchen. Fanny, Rosa und Frida haben noch nackte Hinterteile, aber ihre Kämme sind schon wieder rot. Ein gutes Zeichen. (Bild: Katja Goebel)

Eierkorb

Die drei geretteten Hennen legen im neuen Zuhause immer noch Eier. Um noch größere Eier zu produzieren, werden Legehennen in Großbetrieben nicht selten in eine so genannte Zwangsmauser versetzt. Durch Futterentzug und wenig Licht. Der Körper schaltet in eine Art Notfallmodus. Die Tiere verlieren Federn. Nach dieser Hungerzeit im Dunkeln legen die Tiere dann noch größere Eier – die im Supermarkt als XL-Eier angepriesen werden. Das XL-Drama dahinter kennt der Kunde ja nicht. (Bild: Katja Goebel)

Erstes Sonnenbad

Hochleistungshennen aus der Massentierhaltung haben keine besonders hohe Lebenserwartung. Auch Frida hatte am Ende nur noch drei Monate im neuen Zuhause. Sie starb an einer Legedarmentzündung – auch eine Folge von Überzüchtung und unnatürlich hoher Eierproduktion, erklärte der behandelnde Tierarzt. Das erste Sonnenbad ihres Lebens hat sie dennoch genossen. (Bild: Katja Goebel)

Rosa

Vorher - Nachher: Fanny und Rosa entwickeln sich prächtig. Nach rund acht Wochen sind auch ihre Federn fast überall nachgewachsen. Sie fressen jetzt aus der Hand und fliegen regelmäßig über den Zaun ihres Geheges, um den Rest des Gartens zu inspizieren. Nachts schlafen sie im Stall auf einer Holzstange: Warum? Weil Hühner ursprünglich Baumschläfer sind und gerne erhöht und sicher vor Feinden die Nacht verbringen. (Bild: Katja Goebel)

Ohren und Eier

Ob eine Henne weiße oder braune Eier legt, hängt übrigens nicht von der Farbe des Gefieders, sondern von ihrer Rasse ab. Als Faustregel gilt: Hennen mit weißen Ohrläppchen legen weiße Eier und Hennen mit roten Ohrläppchen legen braune Eier. (Bild: Katja Goebel)

Fanny und Rosa im Garten

Gemeinsam patrouillieren Fanny und Rosa jetzt täglich in einem 600 Quadratmeter großen Garten, nehmen ausgiebige Sonnen- und Sandbäder, scharren Beete und Komposthaufen um und gehen, sobald es dämmert, brav zurück in ihren Stall. Ihr erstes Leben haben die beiden hinter sich gelassen. (Bild: Katja Goebel)

Rosa wacht

Hühner sind schlau, neugierig und haben alle ihren eigenen Charakter. Fanny legt sofort einen Sprint ein, wenn sie ihre Menschen sieht und würde ihnen wie ein Hund bis ins Wohnzimmer folgen, wenn sie dürfte. Rosa hat einen stolzen Gang und blickt häufig in den Himmel. Da könnte ein Raubvogel lauern. Ihre Lieblingsspeise: Getrocknete Mehlwürmer. Dafür springen sie sogar auf den Schoß! (Bild: Katja Goebel)

Freilandhaltung

Wer jetzt ins Grübeln gekommen ist und beim nächsten Eierkauf darauf achten will, woher das Ei stammt, kann das leicht nachvollziehen. Der Stempel auf jedem Ei erklärt, wie die Henne gehalten wird. Wer "Freilandhaltung" unterstützen möchte, hat es also selbst in der Hand. (Bild: Katja Goebel)


Falls du mehr zu dem Thema wissen möchtest:


(kat)

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