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Gender-Marketing

"Pink Tax": Produkte für Mädels und Jungs

Männer und Frauen, Jungen und Mädchen: Auch Marketing und Werbung haben längst entdeckt, dass sie nicht immer gleich ticken. Angeblich.

Die Symbole für männlich und weiblich auf einem blauen und einem rosa Kreis. Bild: vicelord6 / Fotolia
Bild: vicelord6 / Fotolia

Das Wichtigste in Kürze

  • Kosmetik für Mädchen ist teurer als für Jungs? Leider ist das oft so.
  • Hersteller machen nicht nur die Verpackungen unterschiedlich, sondern auch die Preise.
  • Das beginnt schon beim Kinderspielzeug. Aber ist das nötig?

Gender-Marketing nennen es die Fachleute, wenn die beiden Geschlechter beispielsweise in Werbespots, auf Plakaten oder gar bei der Produktgestaltung unterschiedlich angesprochen werden. Schon Kleinkinder wachsen in einer Umgebung auf, in der es viele Rollenklischees gibt: Rosa ist nur für Mädchen, ein Junge kann nicht Prinzessin spielen, Abenteuer sind eher männlich, Autos auch.


Die Unterteilung in Jungen und Mädchen zieht sich durch alle Bereiche: Kleidung, Spielzeug, Bücher. Und obwohl man denkt, im 21. Jahrhundert müsse das eigentlich aufhören, hat man derzeit eher das Gefühl, dass viele Hersteller eine Rolle rückwärts drehen. Es gibt nicht mehr nur eine Schokoüberraschung, sondern gleich zwei Varianten: für Mädels und Jungs. Da finden sich Plastikbausteine in rosa für Mädchen – und bunte Steine, die es früher schon gab, wirken daneben gleich jungenhaft. Trinkflaschen, Butterbrotdosen, Stifte: Pinkisierung allerorten. Sogar die Welt erscheint in rosa und in hellblau: als Globus.


Extra weibliche Kleinwagen

Bei Jugendlichen und Erwachsenen geht es munter weiter. Im Gegensatz zu Fahrzeugen in der Spielzeugwelt positionieren manche Autobauer (oder Autobauerinnen?) ihren Kleinwagen extra als weiblich – mit entsprechenden Kampagnen und in anderen Farben. Und Baumärkte wollen Frauen mit Ladies Nights locken.

Müslimischungen gibt es extra für Männer und für Frauen. Tee trinkt man ebenfalls in einer männlichen und einer weiblichen Variante.


Brauchen Männer anderes Shampoo?

Auch der Blick ins Bad zeigt: Die Verpackung macht's. Es gibt Haarshampoo für männliche Haare und solches für weibliche Haare. Doch seien wir mal ehrlich: Sind die Haare wirklich unterschiedlich? Männerhaare wachsen schneller als Frauenhaare und sie fallen im Alter schneller aus. Ansonsten können Männer ebenso wie Frauen Schuppen, trockene und fettige Haare haben. Braucht es wirklich Shampooflaschen mit einem Männerkopf? Oder pinke Hüllen für Frauenhaare?


Einfach nur überflüssig oder gar sexistisch?

Ein weiteres beliebtes gegendertes Produkt ist der Rasierer. Natürlich könnte sich eine Frau auch mit einem normalen Männerrasierer die Beine rasieren. Doch da locken hübsche Frauenrasierer, etwas schmaler in der Form und in helleren Farben. Die dazugehörige Werbung tut ein Übriges. Und schwupps – schon hat Frau den Rasierer gekauft.


Pink Tax

Besonders skandalös: Dafür zahlt die Frau dann sogar häufig mehr. Es gibt, so die Verbraucherzentrale Hamburg, Studien, die besagen: Frauen sind öfter bereit, mehr für ihr Aussehen zu investieren. Sprich: Sie geben mehr Geld für Beauty-Produkte aus als Männer. Das nutzen Hersteller aus und verkaufen gleiche Produkte für Frauen teurer als für Männer. Das nennt man "Pink Tax", also "Mädchensteuer" auf Extra-Frauenprodukten. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat neben Rasierern, Klingen und Rasierschaum auch Body Lotion und Parfum aufgetan, für das Frauen für gleiche Produkte mehr Geld hinlegen müssen als Männer.


Gendermarketing spaltet die Verbraucherinnen und Verbraucher. Die einen greifen sofort zu – und die anderen finden diese Spezial-Produkte nicht nur überflüssig, sondern gar sexistisch. Im Netz gibt es immer wieder Diskussionen – auf Twitter, Facebook oder in Blogs. Während die einen meinen, gegenderte Produkte würden althergebrachte Rollen festschreiben, meinen andere, dass Männer und Frauen eben nicht gleich seien und unterschiedlich angesprochen werden wollen.


Letztlich entscheiden die Kundinnen und Kunden. Denn was gekauft wird, bestimmen wir – und nicht Verpackung oder Werbung.


(AB)

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  • Gianna Einundsechszig

    Ladies Night und Gender Marketing

    Ein informativer Artikel - mit einer Ausnahme: die Ladies Nights, zumindest an denen ich teilgenommen habe, dienten dazu, dass sich Frauen außerhalb der Öffnungszeiten informieren und in verschiedenen Gewerken praktisch ausprobieren konnten, ohne dabei den kritischen Blicken und Bemerkungen "heimwerker-erfahrener" Männer ausgesetzt zu sein. Ein begrüßungswerter Ansatz, damit sich Frauen in handwerklichen Bereichen mehr zutrauen. Natürlich soll damit auch neue Kundschaft generiert werden, der Baumarkt ist schließlich kein Wohlfahrtsunternehmen. Aber das hat mit dem hier zu Recht kritisieren Marketingansatz,für gleichwertige Produkte und Dienstleistungen über ein geschlechterspezifisches Marketing erhöhte Preise zu erzielen, überhaut nichts zu tun und sollte deshalb auch nicht in einen solchen Zusammenhang gestellt werden.

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  • checked4you

    Re: Ladies Night und Gender Marketing

    Danke, liebe Gianna Einundsechzig, für die Anmerkung. In dem Artikel geht es ganz allgemein um genderspezifisches Marketing. Die höheren Preise für Frauenprodukte beziehen sich auf die Beauty-Produkte. Die Ladies Nights der Baumarktketten dienen - ebenso wie der erwähnte Globus, das Spielzeug, die Kleidung - als weiteres Beispiel für genderspezifisches Marketing. Bei den Ladies Nights werden gezielt Frauen angesprochen - natürlich auch um Frauen als (neue?) Kundschaft zu gewinnen.
    Du hast recht: Das ist für ein Wirtschaftsunternehmen nichts Verwerfliches. Es vermittelt aber unterschwellig auch, dass Frauen nicht so gut in handwerklichen Dingen sind und eine "Sonderbehandlung" brauchen. Das kann man befürworten oder auch nicht.

    Viele Grüße
    Dein checked4you-Team

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