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Einkaufen

Supermarkt ohne Verpackungen

Einmal eingekauft und schon ist der Mülleimer voller Plastik? Das muss nicht mehr sein, denn in allen Teilen Deutschlands gibt es Geschäfte, die auf Folien und Co. verzichten.

Eine Frau trägt einen Weidenkorb mit Möhren, Äpfeln, Clementinen und Bananen. Foto: checked4you.de

Rund 450 Jahre dauert es laut dem Fraunhofer-Institut für Umwelt, Sicherheits- und Energietechnik, bis eine Plastikflasche sich zersetzt hat. Wenn Sie nicht recycelt oder energetisch genutzt wird, schwimmt sie so lange also mit großer Wahrscheinlichkeit in unseren Ozeanen herum – und vergiftet die Fische, die sie zu sich nehmen. Auch Tüten und Getränkedosen, die wir vielleicht nur wenige Minuten nutzen, bleiben noch jahrzehntelang als Müll auf dieser Welt. Dazu kommt, dass die Produktion und das Recycling von Verpackungen unheimlich viel Energie und endliche Ressourcen wie Rohöl verbrauchen. Viele Verbraucher ärgern sich deshalb, wenn sie in den Supermärkten in Plastik eingeschweißte Gurken oder andere aus ihrer Sicht überflüssige Verpackungen sehen – vom Einweg-Kaffeebecher und der Plastikschale für den Salat to go ganz zu schweigen. Und sie suchen nach Alternativen.

Flaschen, Dosen, Tüten und Co.

So sind inzwischen Läden entstanden, die Waren verpackungsfrei anbieten. Wie in einem klassischen Tante-Emma-Laden stellen diese Geschäfte ihre Produkte in Großpackungen zur Verfügung und die Kunden nehmen sich davon so viel sie brauchen. Dafür nutzen sie mitgebrachte oder in den Läden bereitgestellte Papiertüten, Plastikdosen, Edelstahlboxen, Schraubgläser oder Baumwollbeutel. Die Behälter werden zuerst leer abgewogen. Dann werden sie gefüllt noch einmal gewogen und die eingefüllten Produkte werden nach Gewicht bezahlt. Die Betreiber achten auch darauf, dass bei der Lieferung der Waren möglichst wenig Verpackungsmüll entsteht.

"Der erste deutsche 'unverpackt'-Laden wurde 2014 in Kiel eröffnet. Die Gründerin ist Französin und kannte das Prinzip aus ihrer Heimat", weiß Dr. Melanie Kröger vom Fachbereich Landschaftsnutzung und Naturschutz der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE). Sie betreut gemeinsam mit ihren Kollegen Frederic Goldkorn und Projektleiter Prof. Dr. Jens Pape das Projekt "unverpackt", das im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) gefördert wird. Hier entstand auch das "Netzwerk unverpackt", auf dessen Website Interessierte durch Eingabe der Postleitzahl nach einem Laden in ihrer Nähe suchen können. Vergleichbare Möglichkeiten bieten auch der Blog "Wasteland Rebel!" sowie die Zeitschrift "enorm".

Einkauf sollte geplant werden

Nicht immer ist in den "unverpackt"-Läden das gesamte Sortiment vorrätig. Grundsätzlich kann es deshalb sinnvoll sein, sich vor einem Besuch auf der Website über die Produktauswahl zu informieren. "Wer neugierig ist, kann natürlich einfach mal hingehen und sich solch einen Laden anschauen", sagt Melanie Kröger. Auch Spontaneinkäufe sind möglich, weil die Geschäfte eigene Behälter anbieten und auch Kunden manchmal Behälter dalassen, die sie nicht benötigen und die andere Kunden kostenlos nutzen können. Planung ist jedoch besser, denn wer zum Beispiel zu Papiertüten greift und sie zu Hause sofort wieder entsorgt, hat zwar Plastik, aber keine Verpackung gespart.

Gerade Lebensmittel müssen mit Informationen gekennzeichnet sein – zum Beispiel, wenn sie Allergene enthalten. Das geschieht in der Regel auf jeder Verpackung. Bei den Angeboten ohne Verpackung sollten die Infos also an den großen Gebinden stehen. Und die Verkäufer kann man ja auch noch fragen.

Hygiene

Was die Hygiene angeht, unterliegen die "unverpackt"-Läden den gleichen Pflichten wie alle anderen Anbieter von Lebensmitteln. Sie müssen also mit den Veterinär- und Gesundheitsämtern kooperieren. Es muss entsprechende Reinigungspläne und Schulungen für die Mitarbeiter geben. Wie in jeder Bäckerei, muss das Personal sich zum Beispiel regelmäßig die Hände waschen, damit keine Keime an die Waren geraten. Und auch die Kunden müssen darüber aufgeklärt werden, dass sie zum Beispiel keine Reinigungsmittel in Getränkeflaschen abfüllen und nur richtig saubere Milchflaschen verwenden dürfen. An Frischetheken werden farblich markierte Hygiene-Tabletts eingesetzt, so dass mitgebrachte Behälter nicht im hygienisch sensiblen Tresenbereich abgestellt werden.

Oft ist es im Einzelfall übrigens eine Frage der Abwägung, ob das verpackungsfreie Einkaufen nachhaltiger ist als mögliche Alternativen. Schließlich muss jeder Behälter vor einem Einkauf gereinigt werden. Eine erste Ökobilanz im Berliner "unverpackt"-Laden kam bei der Untersuchung von sechs Verpackungssystemen allerdings zu einem insgesamt positiven Ergebnis: Insgesamt schnitten fünf von sechs Produkten gut ab.Sehr schlecht kam ein Mehrweg-Pfandglas weg, in dem Tofu verkauft wurde. Denn die Glasproduktion war relativ aufwendig. Bei einem Duschgel entpuppte sich die Reinigung des Behälters als sehr aufwendig.


(JD)

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