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Schmuck und Gesundheitsrisiko

Bildstrecke: Piercings und Tattoos

Ob nun Hautbild oder Metall im Loch: Gründliche Überlegung und vorsichtige Wahl des richtigen Studios sind superwichtig. Denn wer braucht schon Narben, Infektionen oder allergische Reaktionen?

Piercing mit Tradition

Körperschmuck ist kein neuer Trend: Bereits seit mehr als 7000 Jahren werden in vielen Kulturen Körpermodifikationen vorgenommen. Sie sollen eine Abgrenzung zu einem anderem Stamm verdeutlichen oder gehören zur Tradition. Es gibt dabei viele Rituale, die eine Veränderung des gesellschaftlichen Status oder der Reife ausdrücken. Sie haben also weniger etwas mit Selbstgestaltung und Individualität zu tun, wie es bei uns der Fall ist. In Indien zum Beispiel ist großer und auffälliger Schmuck auch bei älteren Frauen sehr beliebt. (Bildquelle: freeimages.com / Manu Mohan)

Adults only

Sowohl Piercings als auch Tattoos bekommst du unter 18 Jahren nur mit Einwilligung der Eltern. Auch wenn die Rechtslage da im Detail ein bisschen unklar ist: In der Praxis ist es auf jeden Fall so. Und falls ein Studio es damit nicht so genau nehmen sollte, wäre genau das ein Grund, wieder zu gehen! Denn so was ist ein klarer Hinweis, dass man dort vielleicht auch sonst nicht so gewissenhaft arbeitet, z. B. was die Sauberkeit angeht. Am besten einigst du dich also mit deinen Eltern, und nötigenfalls musst du eben warten, bis du 18 bist. (Bildquelle: BlueSkyImages / fotolia.com)

Piercings im Gesicht

Ohne irgendwas dramatisieren zu wollen: Beim Piercen kriegt man Löcher in den Körper gebohrt (durch Knorpel oder Fettgewebe). Es ist schon wichtig, sich das klar zu machen. Denn wenn man ein Piercing irgendwann nicht mehr will, kann genau da jenes Loch bleiben - oder eine kleine Narbe. Das kann dann gerade im Gesicht störend sein. (Bildquelle: Axel Bueckert / fotolia.com

Bauchnabelpiercing

Entscheidet man sich für ein Piercing, sollte man unbedingt darauf achten, dass im Laden der Wahl sauber und gewissenhaft gearbeitet wird. Denn hier kann Pfusch zu Entzündungen oder sogar Nervenverletzungen führen. Gerade an empfindlichen Stellen wie Lippe, Bauchnabel oder gar Genitalien kann man gar nicht sorgfältig genug sein, und ein Restrisiko bleibt trotzdem - aufgrund der Gefahr von Entzündungen, aber auch wegen möglicher Allergien. Niemals, wirklich niemals Selbstversuche machen: Nicht beim Piercen und schon gar nicht beim Tätowieren. Das sieht eigentlich immer nicht so schön aus, und vor allem ist das Infektionsrisiko sehr hoch. (Bildquelle: Rohland)

Zungenpiercing

Zudem können bei Zungen- und Lippenpiercings Zähne oder Zahnfleisch beschädigt werden. Muss alles nicht sein, kann aber. Und so lange das Piercing noch nicht richtig abgeheilt ist, müsst ihr sehr auf die Hygiene achten. Bis der Wundkanal richtig abgeheilt ist, ist die Entzündungsgefahr am größten. Also: Reinigen mit antibakterieller Seife, nicht dran rumfummeln, Wundlösung wie vorgeschrieben auftragen und so weiter. Ein guter Piercer erklärt euch das alles ganz genau! (Bildquelle: Rohland)

Dermal Anchor

Bei "Dermal Anchor" wird ein kleines Plättchen aus Titan, an dem sich ein Gewinde befindet, unter die Haut gebracht. Oben auf das Gewinde können dann verschiedene Aufsätze geschraubt werden - meistens silberne Plättchen oder Strasssteinchen. (Bildquelle: Rohland)

Dermal Strass

Diese kleinen Implantate lassen sich an Stellen anbringen, wo piercen nicht möglich ist. Aber auch hier gilt: das Entfernen ist unangenehm und es bleibt eine Narbe. Manche Implantate wachsen auch wieder von alleine raus. Wichtig ist, bei der Heilung auf Sauberkeit und Pflege zu achten. (Bildquelle: Rohland)

Beim Tätowierer

Beim Tätowieren wird Tinte unter die oberen beiden Hautschichten gestochen und ist dann damit dauerhaft eingebettet. Auch das sollte man wissen, denn daher kommt's, dass "normale" Tattoos einen so ohne weiteres nicht mehr verlassen. Also überlegt euch gut: Will ich wirklich ein bleibendes Bild auf meinem Körper? Will ich den lustigen Drachen (oder was auch immer) auch noch in 20 Jahren auf dem Hintern haben? Und an welcher Stelle? Möglicherweise hat der spätere Arbeitgeber kein Verständnis für einen Schriftzug am Handgelenk. Sowieso solltest du dich ruhig mal fragen: Warum und wie sehr will ich das? Weil meine Freunde eins haben? Weil es gerade Mode ist?(Bildquelle: justtscott / fotolia.com)

Nickelallergien und Schadstoffe

Achtung: Es können auch Schadstoffe in den Farben sein. Vereinzelt gab es auch schon Warnmeldungen zu krebserrengenden aromatischen Aminen, dem Schwermetall Cadmium oder krebserregenden polyzyklischen, aromatischen Kohlenwasserstoffen. Zudem können Viren und Bakterien in Tattoo-Farben schwere Infektionen hervorrufen. Und wer z. B. eine Nickelallergie hat, sollte besser ganz auf Tattoos verzichten, weil auch in Tätowierfarben Nickel enthalten sein kann! Grenzwerte für bestimmte Stoffe in Tattoo-Tinten werden nicht durch die Kosmetik-Verordnung festgelegt, denn die umfasst keine Produkte, die im wahrsten Sinne des Wortes "unter die Haut" gehen. Im Klartext heißt das: Ein Lidschatten ist strenger reguliert als eine Tattoo-Tinte, die lebenslang im Organismus bleibt. Wer trotzdem nicht warten will, bis die Farben sicherer sind, sollte sich vor dem Tätowieren die Tinten zeigen lassen - wonach man dann fragen sollte, haben wir im Beitrag "Sind Tattoos schädlich?" genauer erläutert. (Bildquelle: tattoo destillat / fotolia.com)

Misslungenes Tattoo

Und auch bei Tattoos gilt natürlich: Nicht den erstbesten Laden nehmen! Unsaubere Arbeit kann im schlimmsten Fall zu schweren Virus-Infektionen wie Hepatitis oder Aids führen. Auch ein schlecht gestochenes Tattoo ist immer echt ärgerlich. Man hat sich auf das tolle Motiv gefreut und dann sieht das Bild auf der Haut irgendwie anders aus als im Katalog. Die Konturen sind nicht sauber, die Farben sind verlaufen oder verblassen schnell und das Bild wirkt unscharf. So ein Tattoo überarbeiten zu lassen kostet viel Geld und Geduld. Und manchmal kann dann auch der beste Tattookünstler nicht mehr viel raus holen. Gebt also acht, wem ihr erlaubt euren Körper dauerhaft zu gestalten. (Bildquelle: Rohland)

Tattoo-Tipps

Also: Nach diesen Punkten immer fragen, denn das ist zu wichtig fürs schüchtern-sein!
  • Gute Beratung: Informiert mich der Tätowierer mündlich und schriftlich über mögliche Risiken, Komplikationen, Allergien und die anschließende Tattoo-Wundpflege? Besonders bei bestehenden Erkrankungen ist es sinnvoll, vor dem Tätowieren außerdem einen Arzt zu fragen. Denn die Folgekosten für auftretende Komplikationen oder für Tattoo-Entfernungen muss man ganz oder größtenteils selbst aufkommen. Die Krankenkassen übernehmen in der Regel hierfür keine Kosten.
  • Sauberkeit! Wie sieht's in dem Laden aus? Kann der Tätowierer eine Hygieneschulung nachweisen?
  • Sind die Instrumente steril (z. B. steril verpackte Einweggeräte)?
  • Werden Handschuhe benutzt?
  • Was ist in den Farben drin? Kann der Tätowierer ein aktuelles Laborgutachten vorlegen, dass die verwendete Charge des Tätowiermittels der Tätowiermittelverordnung entspricht?
  • Bin ich auch sicher, keine Nickelallergie, ein geschwächtes Immunsystem oder Diabetes zu haben?
  • Beim Piercing: Keine Pistole, denn die kann nicht ausreichend sterilisiert werden und die Wunde heilt schlechter! Und nach dem Tätowieren besonders auf die richtige Pflege achten - mehr zu dem Punkt gibt's u. a. auch hier. (Bildquelle: yuryrumovsky / fotolia.com)

Tattoo weglasern...?

Und so Manche/r nimmt eine Menge Geld in die Hand, um das Tattoo in mehreren Sitzungen beim Spezialisten wieder weglasern zu lassen. Ist möglich, aber teuer und kein Spaziergang. Außerdem bilden die Farbstoffe beim Weglasern im Körper oft giftige Abbauprodukte. Man sollte also auf keinen Fall denken, man kann so ein Tattoo mal eben wieder wegmachen lassen, wenn es einem nicht mehr gefällt. Auf dem Bild seht ihr den kleinen Erfolg nach der zweiten Laserbehandlung. Damit dieses recht kleine Bild wieder vom Nacken verschwindet muss die Besitzerin knapp 800 Euro ausgeben. (Bildquelle: Rohland)

Henna-Tattoo

Tattoo ist auch nicht gleich Tattoo: So enthalten z. B. Black-Henna-Tattoos das stark sensibilisierende "Para-Phenylendiamin" (PPD): Allergische Reaktionen sind gut möglich und vor allem heftig, wenn sie eintreten. "Permanent Tattoos" sind hingegen offiziell gar nicht permanent, sondern sollen nach ca. 5 Jahren verschwunden sein. Dummerweise hört man immer wieder, dass das auch ein paar Jahre länger dauern kann, und in der Übergangszeit hat man dann einige Jahre einfach ein ziemlich blasses, aber trotzdem gut sichtbares Bild auf der Haut. Oder es verschwinden nur Teile davon ... (Bildquelle: zea_lenanet / fotolia.com)



(Wi)

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