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Drittanbietersperre

Smartphone-Abzocke verhindern

Sie sind in Apps und Werbebannern versteckt: unbemerkte Abofallen. Netzanbieter versprechen Schutz durch "Redirect", doch der ist nicht immer wirksam. Hier liest du, was wirklich hilft.

Klingt wie der Tabletten-Beipackzettel: Apps können Abzocke enthalten! Genau genommen sind es eingebaute Werbebanner in Smartphone- oder Tablet-Apps. Kommt man beim Wischen mit dem Finger drauf, hat man vielleicht schon ein Abo aktiviert, das über die monatliche Telefonrechnung abkassiert wird. Möglich macht die Masche das sogenannte WAP-Billing (WAP=Wireless Application Protocol). Dadurch soll unkompliziertes Bezahlen per Smartphone ermöglicht werden, da keine Konto- oder Kreditkartendaten angegeben werden müssen. Beim "Clickjacking" manipulieren Betrüger eine Werbung – wie das aussieht, zeigt eine Grafik am Ende des Textes.


Um Missbrauch einzudämmen, haben einige Netzanbieter Mitte 2016 ein Redirect-Verfahren eingeführt. Konkret heißt das: Bevor ein Abo abgeschlossen wird, kommt der Handynutzer auf eine Seite des Mobilfunkanbieters, die ihn vor den Kosten warnt. Erst wenn der Nutzer zustimmt, wird das Abo wirksam. So die Theorie. Denn leider können Abzocker diesen Schutz technisch umgehen. Die Marktwächter der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein haben herausgefunden, dass das immer wieder passiert.



Wie Abrechnung von Drittanbietern beim Smartphone funktionieren. Bild: Verbraucherzentrale NRW
Grafik: Verbraucherzentrale NRW


Deshalb bleibt nach wie vor nur ein wirksamer Schutz: die so genannte Drittanbietersperre. Kunden können bei ihrem Mobilfunkanbieter beantragen, dass solche Dienste nicht mehr über die Mobilfunkrechnung abgerechnet werden können. Das besagt das "Telekommunikationsgesetz". Antragssprachlich heißt das dann "Sperre der Identifizierung des Mobilfunkanschlusses für neben der Verbindung erbrachte Leistungen". Klar? Nun, übersetzt gesagt: Damit werden im Grunde alle auf "WAP-Billing" basierende Dienste gesperrt. Einziger Nachteil: Wer z.B. gerne mit Hilfe genau dieser Technik per Handy in der Bahn bezahlt, kann das dann nicht mehr, weil auch dieser Dienst mit gesperrt wäre. Das Bezahlen der Tickets per Kreditkarte, Lastschrift usw. ist natürlich weiter möglich, wenn die App das anbietet. Oder man sagt beim Einrichten der Drittanbietersperre, dass genau dieser App-Anbieter doch über die Telefonrechnung abbuchen darf. Einfach mal beim Mobilfunkanbieter fragen, was da geht.


Einen Musterbrief zur Drittanbietersperre könnt ihr von der Website der Verbraucherzentrale NRW herunterladen, damit die Formulierung beim Sperren-lassen auch stimmt. Viele Anbieter machen das alternativ auch telefonisch, und bei einigen kann man die Einrichtung der Drittanbietersperre auch über das Online-Kundenportal vornehmen.


Geld zurück fordern

Wer bereits in eine solche Falle getappt ist, sollte versuchen, den Rechnungsposten zu beanstanden. Denn bei einer Bestellung im Internet muss auf den Preis deutlich und verständlich in der Nähe des Bestellbuttons hingewiesen werden. Außerdem muss der Bestellbutton durch seine Beschriftung eindeutig klar machen, dass es sich um ein kostenpflichtiges Angebot handelt (z.B. "jetzt kaufen" oder "zahlungspflichtig bestellen"). Ist diese Anforderung nicht erfüllt, müsst ihr nichts bezahlen. Und: Bei Minderjährigen kommt sowieso kein Abovertrag zustande, da hierzu eine Genehmigung der Eltern notwendig wäre!

Vertragskunden können den Rechnungsbetrag kürzen und nur das zahlen, was sie sowieso zahlen würden. Darüber sollte man den Mobilfunkanbieter auf jeden Fall schriftlich informieren, dass man das gemacht hat und warum! Auf keinen Fall aber sollte man auf die Idee kommen, seine komplette Rechnung nicht zu bezahlen. Für eine Beanstandung der Telefonrechnung bieten wir einen entsprechenden Musterbrief. Aber Achtung: Das heißt noch lange nicht, dass die Sache damit ausgestanden ist, denn zum einen akzeptiert der Mobilfunkbetreiber das vielleicht nicht, und selbst wenn, muss man sich danach möglicherweise noch mit dem Abo-Anbieter herumschlagen. Insofern raten wir Betroffenen eigentlich, mit der Angelegenheit am besten gleich in eine unsere Beratungsstellen zu gehen und sich helfen zu lassen.


Grafik: So funktioniert "Clickjacking". Der Verbraucher wird animiert auf einen Button zu klicken. Der Button liegt auf einer manipulierten Website. Der iframe (Fenster) bindet technisch eine Drittanbieterseite ein. Die Aktion (der Klick) wird weitergeleitet. Hierdurch wird der Kaufen-Button des Drittanbieters aktiviert, ohne dass der Verbraucher dies eigentlich wollte.
Grafik: Marktwächter Digitale Welt


(Wi/hamo)

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3 Kommentar(e)

  • chipsfrish
     

    Auch mit Drittanbietersperre per Handy Bahn bezahlen

    Mglw. liegt Ihrem Artikel ein Irrtum zu Grunde.
    Meine Kinder haben an ihren Handys die Drittanbietersperre eingeschaltet. Ber Handy bezahlen funktioniert mit dem Handy trotzdem. Sie nutzen die App "handy ticket deutschland".
    Also: noch ein weiterer Grund, nicht auf Drittanbietersperre zu verzichten. Die Einrichtung (Anruf beim Servicetelefon des Netzbetreibers) hat ganze 60 Sekunden.

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  • checked4you
     

    Re: Auch mit Drittanbietersperre per Handy Bahn bezahlen

    Läuft die Abrechnung denn über die Mobilfunkrechnung oder über Prepaid bzw. Lastschrift / Kreditkarte? Wir hatten eine vergleichbare lautende Rückmeldung, bei der sich herausstellte, dass es per Lastschrift war. Die Aussage im Text lautet (in Bezug aufs so genannte WAP-Billing): "Wer z.B. gerne mit Hilfe genau dieser Technik per Handy in der Bahn bezahlt ..." und besagt, dass das Bezahlen von Tickets über die Handyrechnung mit Drittanbietersperre nicht möglich ist. Andere Bezahlarten gehen natürlich weiterhin. Das haben wir jetzt im Text ergänzt, um es zu verdeutlichen.

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  • chipsfrish
     

    Ist geklärt ...

    Schön, dass sie den Artikel direkt ergänzt haben und das mit dem Bahn-Ticket weiter ausgeführt haben. Genau so ist es.
    Und ich möchte hier nochmal kurz erwähnen: Wer's superbequem haben möchte (also z.B. WAP-billing) muss einfach damit Leben, dass es auch negative Seiten gibt. Wir jedenfalls sehen kein Problem darin, einen Betrag per Lastschrift oder PayPal abbuchen zu lassen, anstatt den Telefonnetzbetreiber zum Inkassobeauftragten zu machen.

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