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#OldFaceChallenge

Was du FaceApp erlaubst, wenn du dein Gesicht zeigst

Die #OldFaceChallenge hat FaceApp wieder beliebt gemacht. Für uns ist die App ein Grund für einen erneuten Appell, nicht jeden Trend mitzumachen!

Mann hält Smartphone in der Hand, Google Play Store mit FaceApp auf dem Display. Bild: Verbraucherzentrale NRW
Bild: Verbraucherzentrale NRW

Das Wichtigste in Kürze

  • Kritik und Verwirrung stiftet die Anwendung FaceApp.
  • Wir haben uns die Datenschutzerklärung und Nutzungsbedingungen angesehen.
  • Die größten Probleme aus unserer Sicht: undurchsichtige Unternehmensstruktur, unklare Datenverarbeitung.

Ja, so eine #OldFaceChallenge ist witzig. Wie sehen wir wohl in zig Jahren aus? Das will uns die kostenlose FaceApp zeigen. Seit 2017 gibt es sie. Android-Nutzer haben sie im Play Store von Google schon mehr als 100 Millionen Mal runtergeladen, Google preist sie sogar als "Empfehlung der Redaktion" an und in den Nutzerbewertungen erreicht sie gute 4,4 von 5 Sternen (Stand: 18.07.2019).


Wir wären nicht die Verbraucherzentrale, wenn da nicht unsere Alarmglocken schrillen würden. Denn habt ihr neben dem Fun-Factor auch mal überlegt, womit die App-Betreiber wohl ihr Geld verdienen? Ja, mit euren Daten, euren Gesichtern! Das sind so genannte biometrische Daten – und die werden in der mobilen Welt immer wertvoller. Sind sie erst mal in falschen Händen, lassen sie sich nicht einfach ändern wie ein gekapertes Passwort! Stichwort: Identitätsdiebstahl.


Weder wird ein Verantwortlicher für die Datenverarbeitung genannt noch gibt es eine Aufklärung über eure Rechte auf Datenauskunft und Datenlöschung. Obwohl sich FaceApp auch an deutsche Nutzer richtet, gibt es weder die Datenschutzerklärung noch die Nutzungsbedingungen auf Deutsch. Das müssten sie aber eigentlich, damit jeder Nutzer zumindest die Möglichkeit hat, auch zu verstehen, was mit seinen Daten passieren kann. Aber darüber wollen wir jetzt mal hinweg sehen, denn wir wissen ja, dass sich auch auf Deutsch kaum jemand die Datenschutzerklärungen, Nutzungsbedingungen und App-Berechtigungen durchliest. Und deshalb picken wir mal die kritischsten Punkte für euch raus:


Das Unternehmen FaceApp

Im Play Store für Android-Geräte ist FaceApp Inc. als Entwickler angegeben mit einer Adresse im US-Bundesstaat Delaware. Die ist aber auf der Internetseite faceapp.com nirgends zu finden. Dort gibt es ausschließlich E-Mail-Adressen, über die man mit dem Unternehmen in Kontakt treten könne. Auch etwas, das nach deutschem Recht nicht erlaubt ist. Einzig in den Nutzungsbedingungen sind Adressen genannt – allerdings in Russland. Für Nutzer von Apple-Geräten ist der Ansprechpartner nämlich die Entwicklerfirma Wireless Lab OOO in Sankt Petersburg. Für Fragen zu Copyright-Verstößen soll man sich an einen Agenten ebenfalls in Sankt Petersburg wenden – egal für welches Betriebssystem. So ist es also fraglich, ob man eine US-amerikanische oder eine russische App nutzt.


In der Datenschutzerklärung ist öfter die Rede von einer "Unternehmensgruppe, zu der FaceApp gehört". Welche ist das? Und welche Firmen gehören außerdem dazu? Die Fragen bleiben offen.


Welche Daten FaceApp sammelt

Natürlich braucht die App Zugriff auf eure Kamera und euren Speicher, sonst könnte sie ja nicht an Bilder von euch kommen, um sie zu verwandeln und zu veröffentlichen. Außerdem werden unter anderem Nutzerdaten gesammelt, die ihr selbst zur Verfügung stellt (also Dateien, Namen und Infos, die du schreibst usw.) oder die euer Smartphone/Tablet senden (Gerätetyp, Betriebssystem etc.). Gut, solche Infos sammeln viele andere Apps und Unternehmen auch. Der bittere Beigeschmack bei FaceApp stellt sich vor allem dadurch ein, dass die Firmenstruktur so undurchsichtig ist und Nutzer nicht nachvollziehen können, was in welcher Form mit ihren Daten passiert.


Die App nutzt außerdem "Device Identifiers". Das bedeutet, sie kann Daten auf eurem Gerät speichern, um es und damit auch euch zu identifizieren und Infos darüber zu sammeln und ggf. an Dritte weiterzugeben, wann, wie und wo ihr FaceApp nutzt. Die Firmen können diese Infos dann wiederum für Werbung nutzen, die speziell auf euch zugeschnitten wird.


Gespeichert werden die Daten übrigens laut Nutzungsbedingungen auf Servern "in den USA und anderen Ländern, in denen du möglicherweise nicht die gleichen Rechte und den gleichen Datenschutz hast wie in deinem Heimatland."


In einigen Medien wird behauptet, dass FaceApp nicht nur Fotos speichert, die ihr mit der App bearbeitet, sondern eure kompletten Dateien abgreifen würde. Zulässig wäre das nicht ohne Info an euch. Vom Unternehmen selbst wird das dementiert und auch Sicherheitsexperten werden zitiert, die die Vermutung widerlegen. Wir selbst können technisch nicht prüfen, was an den Vorwürfen dran ist.


Was FaceApp mit den Daten (nach eigener Ansicht) machen darf

Der App-Anbieter darf nach eigener Ansicht eure Daten mit Firmen teilen, die "Teil der gleichen Unternehmensgruppe sind wie FaceApp oder Teil der Gruppe werden". Wie oben schon erwähnt, gibt es keine Info darüber, welche Firmen überhaupt zur Unternehmensgruppe gehören.


Die Daten, die laut den FaceApp-Nutzungsbedingungen gesammelt werden können, sind unter anderem eure hochgeladenen Fotos. Ebenso "Nachrichten, Texte, Fotos, Videos, Software und andere Materialien". Auch eine E-Mail-Adresse kann dazu gehören, um euch zum Beispiel Mails zu schicken über "Änderungen von Funktionen der Services, technische Hinweise oder Sicherheitshinweise." Besonders dreist finden wir folgende (übersetzte) Aussage der Nutzungsbedingungen: "Beachte, dass du nicht berechtigt bist, dem Empfang servicerelevanter E-Mails zu widersprechen." Solche Nachrichten könnten ja schließlich auch in der App erscheinen, wenn man sie verwendet.


Wenn ihr FaceApp nutzt, erlaubt ihr dem Unternehmen, alle eure hochgeladenen benutzergenerierten Inhalte "unbefristet und unwiderruflich" zu verwenden, zu verändern und sogar mit irgendwelchen Namen oder euren Nutzernamen in Verbindung zu bringen und in "allen Medienformaten und Kanälen, die jetzt bekannt sind oder in Zukunft entwickelt werden" zu veröffentlichen – "ohne Vergütung an euch". Heißt im Klartext: Mit allem, was ihr bei FaceApp hochladet, darf das Unternehmen nach eigener Ansicht machen, was es will, ohne euch dafür zu bezahlen. "Wenn du unseren Service nutzt, stimmst du zu, dass deine Inhalte für Werbezwecke genutzt werden dürfen", schreibt FaceApp auch noch mal deutlich in den Nutzungsbedingungen.


FaceApp beschreibt in der Datenschutzerklärung auch, dass es eure Daten dazu nutzen darf, um "euch und anderen" personalisierten Content zum Beispiel in Form von Werbung oder anderen Marketing-Formaten auszuliefern. Da denken wir nur mal kurz an nervige Popup-Werbung ... Ohne zu behaupten, dass FaceApp solche ausliefert. Aber zumindest besteht die Möglichkeit.


(hamo)

Der Text dieses Beitrags steht unter Creative-Commons-Lizenz: Was bedeutet das?

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