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Gentechnisch veränderte Lebensmittel

Wie gefährlich ist Gen-Mais?

Gegner und Befürworter streiten seit Jahren über die Auswirkungen genetisch manipulierter Pflanzen. Wir beleuchten die Fakten.

Maiskolben mit genetischer Veränderung steht für Genmais (Bild: Thomas Hansen / fotolia.com)

Wie funktioniert der Gen-Mais?

In die Maissorte Mon810 hat man ein Gen eingeschleust, das in der Lage ist, Gift zu produzieren. Dieses Gift ist für den Maiszünsler, einen für Mais schädlichen Schmetterling, bestimmt. Per Genmanipulation soll verhindert werden, dass die Schädlinge die Ernte auffressen. Der Mais könne sich quasi selbst vor Fressfeinden schützen und es müsse weniger Gift gespritzt werden, argumentieren die Befürworter.


Wurde Gen-Mais bislang angebaut?

In der Europäischen Union (EU) ist der Gen-Mais MON 810 in einigen Ländern (u.a. Spanien) zum Anbau zugelassen. Für Deutschland und 20 weitere Länder und Gebiete der EU gilt für diesen Mais seit März 2016 ein Anbauverbot - wobei es schon seit 2009 eine Sonderregelung gab, die den Anbau in Deutschland verboten hat. Bis dahin haben Bauern ihn in Deutschland lediglich auf 0,18 Prozent der Gesamtanbaufläche ausgesät. In den USA, Kanada und Ländern in Südamerika werden der Gen-Mais und andere Gen-Pflanzen großflächig angebaut.


Was kritisieren Gen-Mais-Gegner?

Gegner dieser Genmanipulation weisen darauf hin, dass das Gift im Mais nicht nur schädliche, sondern auch nützliche Insekten wie Honigbienen schädigen kann. Sie argumentieren außerdem, dass Insekten, die ständig mit dem Gift der Maispflanze in Berührung kommen, irgendwann resistent werden. Die Insekten gewöhnen sich an das Gift und irgendwann kann es ihnen nichts mehr anhaben. Das hat zur Folge, dass die Schädlinge mit anderen oder zusätzlichen Pestiziden bekämpft werden müssen. Letztendlich landet dies auch in unserem Essen. Die Herstellerfirmen haben am Anfang abgestritten, dass es bei Genpflanzen zur Resistenzbildung kommen kann oder wenn, dann nur in Einzelfällen. Mittlerweile sind resistente Schadinsekten in den Anbaugebieten mit Genpflanzen zu einem riesigen Problem geworden und ihre Zahl steigt weltweit bedrohlich. Vor allem befürchten Gegner aber, dass auch der Mensch irgendwann Schaden nehmen könnte. Die Auswirkungen gentechnisch veränderter Pflanzen auf die menschliche Gesundheit sind nämlich noch nicht erforscht. Tierversuche gibt es allerdings schon: So fanden Wissenschaftler Veränderungen an Organen bei Ratten, die mit Genmais gefüttert wurden.


Der Gen-Mais, dessen Anbau verboten wurde, stammt von dem großen Saatguthersteller Monsanto aus den USA. Würde sich der Gen-Mais durchsetzen, sorgen sich die Kritiker auch noch um etwas anderes: Wenn nur wenige große Hersteller auf der Welt genveränderte Pflanzen züchten, könnten die Pflanzen irgendwann homogen, also immer gleichartiger und somit in größeren Mengen angreifbarer gegen resistente Schädlinge werden. So wachse auch die Gefahr von globalen Missernten. Ganz abgesehen davon, dass die großen Saathersteller irgendwann ein Monopol auf Saaten und spezielle Chemiekeulen gegen Schädlinge hätten. (Der Agrarkonzern Monsanto ist nämlich gleichzeitig auch ein Chemiekonzern, der Pestizide liefert) Auch die Abhängigkeit der Bauern von solchen Großkonzernen werde dann steigen. Es gibt auch Befürchtungen, dass die Gentechnik andere Methoden der Züchtung und Landwirtschaft, die nachhaltiger und unbedenklichere sind, verdrängen. Vielversprechende landwirtschaftliche Projekte in Entwicklungsländern, um Hunger und Mangelkrankheiten vor Ort zu vermeiden, könnten aufgegeben werden.


Warum sollte Gentechnik bei Lebensmitteln nützlich sein?

Saatgutunternehmen und Befürworter der Gentechnik argumentieren, dass die Gentechnik eine große Chance für die Zukunft sei, da man dadurch nicht nur besser auf Gefahren für die Pflanze reagieren könnte (Schimmelpilze, Schädlinge oder Trockenheit), sondern dass man die Produkte durch einen genetisch veränderten Nährstoffgehalt auch gesünder machen könnte. Umwelt- und Verbraucherschützer halten aber dagegen, dass man für gesunde Ernährung keine Gentechnik braucht und dass Nährstoffmangel in den Industrienationen eher eine Folge von falschen Essgewohnheiten ist. Gentechnik-Befürworter sehen in Gen-Food ebenso eine Möglichkeit den Vitaminmangel, z. B. durch den Vitamin-A-reichen Golden Rice, in armen Ländern zu stoppen. Hier gibt es allerdings noch viele offene Fragen und fehlende Studien, z. B. wie viel Vitamin A bei üblicher Lagerung überhaupt noch vorhanden ist oder ob dieser Reis ohne gesundheitliches Risiko gegessen werden kann. Gen-Food wird oft auch als Mittel gegen Missernten und Hunger in Entwicklungsländern angeführt. Doch selbst wenn es mögliche Ertragssteigerungen gibt, nützen sie den Hungernden nichts, wenn sie sich die Nahrungsmittel nicht leisten können. Verschärft wird die Situation für die Entwicklungsländer noch, wenn ihnen der Zugang zu Saatgut durch Patente und Lizenzgebühren erschwert und die Abhängigkeit von großen Agrochemieunternehmen erhöht wird.


Essen wir schon längst genmanipulierte Nahrung?

Wenn bei der Herstellung eines Nahrungsmittels gentechnisch veränderte Zutaten verwendet werden, muss das auf der Packung stehen. Dann liest man auf der Zutatenliste zum Beispiel "gentechnisch verändert" oder "aus gentechnisch veränderten Sojabohnen hergestellt". Wenn ihr euch Lebensmittel in Deutschland genau anschaut, werdet ihr solche Bezeichnungen aber kaum finden. Doch die Sache hat einen Haken: Fleisch, Eier oder Milch von Tieren, die genmanipuliertes Futter gefressen haben, müssen nicht gekennzeichnet werden! Auch Aromen und Vitaminen, die mit Hilfe von gentechnisch veränderten Bakterien oder anderen Mikroorganismen hergestellt wurden, könnt ihr die Genmanipulation nicht ansehen!


Welche Produkte sind gentechnikfrei?

Bioprodukte sind generell gentechnikfrei hergestellt. Hier wird auch beim Tierfutter keine Gentechnik eingesetzt. Außerdem gibt es das Label "ohne Gentechnik", das solche Produkte auszeichnet und immer häufiger im Handel zu finden ist. Es lohnt sich also, genau aufs Etikett zu schauen.


(kat)

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3 Kommentar(e)

  • Peter
     

    Gentechnik ist nicht nur schlecht

    ....Auch Aromen und Vitamine, die mit Hilfe von gentechnisch veränderten Bakterien oder anderen Mikroorganismen hergestellt wurden...
    Das passiert schon 30 Jahren lang. Und das ist auch gut so.

    Beispiel Insulin: Nicht auszudenken, wenn das weltweit benötigte Insulin für Typ2-Diabetiker auf klassische Weise gewonnen werden müßte, nämlich aus Schweine und Rinder Bauchspeicheldrüsen
    Ein Diabetiker würde zur Deckung seines Jahresbedarfs Bauchspeicheldrüsen von ca. 50 Schweinen verbrauchen!!!

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  • checked4you / Verbraucherzentrale NRW
     

    Antwort auf: Gentechnik nicht nur schlecht

    Aus unserer Sicht ein schwieriger Vergleich: Man muss wirklich klar unterscheiden zwischen den verschiedenen Anwendungsbereichen der Gentechnik: Medizin oder tägliches Essen. Beim Essen ist für viele eindeutig kein zusätzlicher Nutzen zu sehen, zudem stößt der Einsatz von Gentechnik auf dem Teller hierzulande auf große Ablehnung. Im Text geht es ganz besonders um unsere Kritik, dass man nicht immer erkennen kann, ob Gentechnik zum Einsatz gekommen ist, hier fehlt es an Transparenz.

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  • Horst
     

    Die Menschheit rottet sich selbst aus

    Medizinische Gentechnik kann durchaus nützlich sein, aber Gentechnik hat m. E. grundsätzlich nichts in der Natur zu suchen. Die Veränderungen einmal in den biologischen Kreislauf eingebracht, sind bei Bedarf kaum wieder rückgängig zu machen. Wohin dieses aus reiner Profitgier veranlasste Tun führen kann, wage ich mir nicht auszudenken. Die sogenannten Schutzmaßnahmen sind lächerlich, denn Schutzabstände verhindern ungewollte Ausbreitung nicht. Und die Beseitigung des Hungers vorzuschieben, ist einfach nur perfide.

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